Lösungen (nicht nur) für den Alpenraum

Gut besuchter Vortragssaal in Dornbirn

Durch den ersten Tag führte Dr. Veronika Kessler. Pünktlich wurde die Veranstaltung gestartet.
Zuerst gab es die Grussworte von Mag. Karlheinz Rüdisser, dem Landesstatthalter Vorarlberg. Mit der EU gab es in diesem Bundesland ein enormes Verkehrswachstum. Deshalb wusste er sehr genau um was es beim Thema der Konferenz geht.
Weitere Grussworte wurden von Univ. Prof. DI Dr. Norbert Ostermann ins seiner Funktion als Präsident der ÖVG sowie DI Sebastian Belz, Generalsekretär der EPTS, ausgerichtet.

Bereits im ersten Vortrag von Univ.-Prof. DI Klaus J. Beckmann wurde der Titel der Veranstaltung etwas in Frage gestellt. Es hat wohl ein Fragezeichen in diesem Titel, doch muss man sich auch die Frage stellen ob es effektiv eine unabwendbare Tatsache ist dass die Verkehrsströme wachsen. Häufig werden Innovationen zu positiv dargestellt und man zeigt die Nebenwirkungen viel zu wenig auf. Er sieht entsprechend eine grosse Aufgabe für die Wissenschaft, diese Zusammenhänge besser aufzuzeigen und damit die Diskussion in der Politik und Gesellschaft auf die effektiven Problemstellungen zu lenken. Für ihn ist klar, dass mit neuen Technologien keine nachhaltige Bewältigung der Verkehrsströme erzielt werden kann.

Im zweiten Referat von Univ.-Prof. Dr. Günter Emberger ging es ebenfalls um die Nachhaltigkeit der Verkehrsentwicklung. Nach seinen Studien ist es bisher nur in sehr beschränktem Umfang gelungen die Emissionen bei wachsendem Verkehrsvolumen zu senken. Dies jeweils nur in einzelnen Staaten und in bestimmten Sektoren. Will man in relativ kurzer Zeit zur Erreichung der Klimaziele diese Emissionen senken ist das nur über drastische Massnahmen möglich. Dieses jedoch nicht nur in einem Staat oder in der EU, sondern das muss Weltweit geschehen.
Entsprechend kam er zum Schluss, dass die Klimaziele sicher nicht erreicht wer-den, trotzdem aber alles daran gesetzt werden muss, möglichst viel aus den Massnahmenpaketen umzusetzen. Nur so ist es möglich die Auswirkungen des bisherigen Verkehrswachstums möglichst klein zu halten.

Im nächsten Vortrag erläuterte Dipl.-Vw. Frank Bruns eine Studie zu den Auswirkungen des automatisierten Fahrens. Dabei wurde wohl festgestellt, dass durch die Senkung der Fahrzeugfolgezeiten die Kapazitäten auf der bestehenden Infrastruktur gesteigert werden können. Da solche Systeme aber auch neuen Gruppen den Zugang zum motorisierten Individualverkehr ermöglicht und auch zusätzlich Leerfahrten entstehen, wird dieser Effekt durch eine stark ansteigende Nachfrage mehr als Kompensiert. Das gilt nicht nur für den Personenverkehr, auch im Güterverkehr dürfte die Nachfrage stark steigen, wenn die Güter unbegleitet ausgeliefert werden können.
Die einzige Chance dass das Verkehrswachstum nicht zu stark steigt ist ein vermehrtes Ride-Sharing sowohl im Personen wie im Güterverkehr.
Effektiv besteht jedoch das Risiko, dass durch diese Angebotsformen die Distanzen zwischen Wohnort und Arbeitsort weiterhin steigen und dadurch noch zusätzlich Verkehrsleistungen generiert werden.
Er weist insbesondere der Politik die Aufgabe zu hier den Rahmen für die Entwicklung so zu setzen, dass die Chancen realisiert werden und die Risiken minimiert werden.

Vor dem zweiten Block erhielt die UEEIV nach der Kaffeepause die Möglichkeit sich kurz vorzustellen sowie die Förderung von jungen Ingenieuren die sich zu dieser Veranstaltung gemeldet haben vorzunehmen. Die HH Christian Fritz, Patrick Wernhardt, Maurice Klose, Jens-Michael Horn und Martin Schellander erhielten von der UEEIV je 100 € Beitrag an die Kosten dieser Veranstaltung. Sie sind Mitglied der Jugendorganisationen der Ingenieur-Verbände und erfüllten die Anforderungen an diese Förderung.

Dr. Sc ETH, MSc ETH Tobias Fumasoli präsentierte anschliessend das Konzept „European Rail Freight Line System“ (ERFLS) das eine weitere Verbesserung der Leistungsfähigkeit im kombinierten Verkehr bringen soll. Insbesondere sollen vermehrt Zwischenstationen auf den langen Strecken zwischen zwei Grossterminals angefahren werden. Mit einem optimierten Logistik-System sollen so attraktivere Angebote auch bei kleineren Terminals geschaffen werden. Da auf der bestehen-den Infrastruktur aufgebaut wird und nur wenig Anpassungen erforderlich sind, kann das Konzept in relativ kurzer Zeit umgesetzt werden.

Unter dem etwas provokativen Titel „Digitalisierung ist die Kür, doch was ist die Pflicht?“ hat Marko Just aufgezeigt, dass die Digitalisierung erst dann wirkungsvoll wird, wenn auch die Prozesse so gestaltet sind, dass sie digitalisiert werden können. Häufig werden die Prozesse so wie sie sind auf ein IT-System übertragen. Am Beispiel des Kombinierten Verkehrs hat er auf anschauliche Weise konkrete Handlungsbedarfe aufgezeigt, welche die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung erfüllt werden müssen.

M.Sc.agric. SVI SIA Hauke Fehlberg zeigte aus der Sichtweise des Bundesamtes für Strassen ASTRA der Schweiz auf, welche Herausforderungen an den Staat gestellt werden, wenn er heute die Planung für die künftige Strasseninfrastruktur an-geht. Die voraussichtliche Entwicklung in der Technologie des Strassenverkehrs wird die Anforderungen an diese Infrastruktur massiv beeinflussen. Was aber wirklich in welchem Zeitraum realisiert wird ist sehr schwer abzuschätzen. Erschwerend ist, dass bei den meisten Studien auf der Basis einer vollständig umgestellten Fahrzeugflotte auf vollautomatisierten Betrieb ausgegangen wird. Die Behörden sind jedoch mit einem länger andauernden Zeitraum mit Mischverkehr konfrontiert. Was dies dann genau für Folgen hat ist zur Zeit gar nicht abzuschätzen.

Der letzte Vortrag am ersten Tag von Dipl.Kfm. Wolfgang Köstinger befasste sich mit dem Ausbau der Verladekapazitäten der ROLA am Brenner. In verschiedenen Etappen sollen diese Kapazitäten so weit ausgebaut werden dass bis zu 50% des heutigen LKW-Verkehrs auf der Brenner-Route auf die ROLA verlagert werden kann. Dieses Ziel kann erst mittelfristig erreicht werden doch müssen nun entsprechende Konzepte erstellt werden um auf dieser kritischen Route eine wirksame Entlastung zu erreichen. Die konkrete Umsetzung hängt dann von der verkehrspolitischen Rahmenbedingungen ab.

Zum Abschluss des ersten Tages gab es eine Podiumsdiskussion mit den HH Dr. Florian Krummheurer, Univ. Prof. DI Dr. Norbert Ostermann, Dr.-Ing. Thomas Sauter-Servaes, DI Johannes Kehrer und Univ.-Prof. DI Gerd Sammer. Unter Leitung von Dr. Veronika Kessler wurden verschiedenen Themen rund um das Tagungsthema oder zu den Inhalten der Vorträge diskutiert.
Klar wurde bald: sollten die Klimaziele erreicht werden, muss im Verkehrssektor ein radikales Umdenken stattfinden. Insbesondere muss nach Wegen gesucht werden, wie die Verkehrsströme reduziert werden können. Dies geht natürlich nur zusammen mit der Politik. Von dieser können aber nicht die fertigen Lösungen erwartet werden, da müssen die Verkehrswissenschaftler ihren Beitrag leisten um Ursachen und Wirkungen aufzuzeigen und mögliche Lösungsansätze zu entwickeln.
Es wurde bezweifelt ob eine Entwicklung die vom Markt getrieben wird diese Ziele erreichen kann. Da diese Entwicklung immer in Richtung Effizienz respektive Kostensenkung geht wird diese zuletzt immer Mehrverkehr erzeugen. Da braucht es einen Paradigmenwechsel, so dass bei der Entwicklung von neuen Technologien eine Verbesserung der Nachhaltigkeit in den Fokus kommt.

Den zweiten Tag startete Prof. DI Francesco Cormann mit einem Vortrag zum The-ma Betriebsunterbrüche bei der Eisenbahn. Am Beispiel des Unterbruchs von Rastatt zeigte er verschiedene Effekte auf. So wurde festgestellt, dass während dem Streckenunterbruch im Rheintal in der Schweiz sowohl im lokalen Netz um Basel wie auch in den Knoten Olten und Zürich weniger Zugsverspätungen zu verzeichnen waren wie vor dem Streckenunterbruch. Ursache ist der Wegfall der Verknüpfung der Netze der DB und der SBB.
Er hat auch aufgezeigt, dass vor allem für den Güterverkehr bei diesem Unterbruch weiträumige Umfahrungen organisiert wurden. Da bestand vor allem die Herausforderung dass auf den Umgehungsstrecken andere technische Limiten bestehen und diese den Transporteuren bekannt gegeben werden mussten.
Generell muss festgestellt werden, dass durch die vielen EVU im Netzt die Betriebsführung in solchen Situationen stärker gefordert wird. Mit neuen IT-Systemen kann dies nur teilweise kompensiert werden.

Dr. MSc DI Wilfried Anreiter erläuterte in der Folge eine Studie, mit der die Reiszeit und Zuverlässigkeit im Strassenverkehr gemessen wurde. Mit einer Langzeitstudie über 5 Jahre konnte nachgewiesen werden, dass die Reisezeiten auch in den Flut-stunden nicht wirklich zugenommen haben. Ebenso ist die Streuung dieser Zeiten (Zuverlässigkeit) nicht grösser geworden. Die Messungen basierten auf der Erkennung von BlueTooth-Geräten die an den Messpunkten vorbei gefahren sind. Diese Methode hat sehr gute Resultate geliefert. Ein Vergleich zu anderen Methoden (Da-ten aus den Navigationssystemen oder Messung der Fahrgeschwindigkeiten von Smartphones) zeigte, dass mehr Details aus der Datenflut geholt werden konnten.

Prof. Dr. Alexander Eisenkopf zeigte anschliessend die in Deutschland, Österreich und der Schweiz angewendeten Finanzierungssysteme für den Verkehr und hob die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Modelle hervor. Generell kann festgestellt werden, dass mit Lenkungsabgaben Verlagerungseffekte entstehen. Mit der Umstellung auf mehr e-Mobilität im Strassenverkehr werden da grosse Herausforderungen entstehen. Zusätzlich muss überlegt werden, wie heute nicht bezahlte externe Kosten auf die Verkehrsträger überwälzt werden können.

Univ.-Prof. Dr.rer.soc.oec. Manfred Gronalt beschrieb eine Methode zur Beurteilung und Bewertung von Störungs-Risiken am Beispiel der Brenner-Route. Auf Basis der effektiven Gefahren und möglichen Störungen bis zu Sabotagen wurde beurteilt, was dies für die lokale Versorgungsituation für Auswirkungen hat. Mit diesem System kann anschliessend beurteilt werden welche Risiken die grössten Auswirkungen haben und mit welchen Massnahmen diese Auswirkungen reduziert werden können.

Für die Schweizer Bahnbranche wird in Kooperation der grössten Bahnen ein Programm für die Einführung neuer digitalisierter Systeme aufgebaut. El. Business Manager Ivo Norbert Abrach stellte das Paket mit Teilprogrammen zum Traffic Management System, elektronische Stellwerke, Lokalisierung, einer mobilen Fahrzeugplattform und dem automatisierten Bahnbetrieb vor.
Hauptaugenmerk ist dabei die kontinuierliche Entwicklung der Systeme, damit der Betrieb im Netz laufend gewährleistet werden kann. Primär sollen dabei Assistenz-Systeme eingeführt werden, um einen flüssigen Betriebsablauf sicherzustellen.
Ziel ist bis 2040 die Kosten für den Bahnbetrieb zu senken, Effizienz, Sicherheit und Verfügbarkeit zu steigern sowie die Kapazität des Schienennetzes zu erhöhen.

Beim letzten Vortrag von Dr. Chung Anh Tran wurde ein praktischer Versuch für das Fahren mit LKW’s im Platooning gezeigt. Mit realen Transporten verkehrten im letz-ten Herbst jeweils 2 LKW im Konvoi zwischen zwei Stückgutzentren. Während der erste LKW „normal“ verkehrte, folgte ihm der zweite LKW automatisiert. Dabei wurde nicht nur das technische System einem Praxisversuch unterworfen, sondern auch die Auswirkung auf Verkehr und LKW-Fahrer beobachtet. Dazu wurde der Ab-stand des folgenden LKW von 21m bis auf 12m variiert. Grundsätzlich hat das System funktioniert, es kam jedoch zu einigen Problemen, sowohl technischer Natur wie auch auf Grund des Verhaltens von anderen Fahrzeuglenkern. So drängten sich PKW-Fahrer bei einem Abstand der LKW’s von 18m zwischen diese beiden Fahrzeuge.

Der Anlass war mit 120 Teilnehmern sehr gut besucht und hat eine grosse Fülle von Informationen geboten. Mit den Organisatoren wurde vereinbart, dass weiterhin die Zusammenarbeit unserer Organisationen gefördert wird und auf eine Kooperation in einer noch zu bestimmenden Form zwischen der EPTS und der UEEIV hin gearbeitet werden soll.
Sicher ist das Thema Systems-Engineering auch eines dass die EPTS beschäftigen wird und dass wir da Berührungspunkte haben.
Der nächste DACH-Kongress soll voraussichtlich in zwei Jahren stattfinden.

Die Jungingenieure freuten sich über einen Zustupf der UEEIV

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Die Podiumsdiskussion wurde rege für Fragen genutzt