Frans Heijnen, President der UEEIV, begrüßte zu Beginn der Veranstaltung die Teilnehmer des Seminars “System Engineering“ und verwies in seiner Einleitung auf die dringende Notwendigkeit, das „System Bahn“ wieder mehr als einheitliches Ganzes zu betrachten. Das vordergründige Ziel des Seminars war es, die Teilnehmer auf die zahlreiche Interaktionen zwischen den Subsystemen im Bahnsektor zu sensibilisieren.

Daniel Wirth sprach in seinem Vortrag über die Wichtigkeit eines „Systemintegrators“ bei der Umsetzung von Großprojekten, der die Vielzahl an Spezialisten in den verschiedensten Ingenieursdisziplinen zusammenbringt und die Schnittstellen tauglich verknüpft.

 

Prof. Felix Schmid, Univ. of. Birmingham, definierte den Begriff “Systemingenieur” global und sprach über die 7 Dimensionen des komplexen Eisenbahnsystems: Variabilität,  Diversität, Lebenszyklus von Anlagen, Kopplungen, Interaktionen, Dispersion, Regeln und Standards. Seiner Erfahrung nach scheitert 1 von 3 Projekten und mehr als 2/3 werden ihre gesteckten Ziele nicht erreichen. Das managen der Anforderungen an ein Projekt ist seiner Meinung nach der „Schlüssel“ für ein erfolgreiches Projekt. Dabei sollten „System Engineers“ aber niemals gleichzeitig Zeit und Kosten steuern, weil das von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Jurgen Martens unterstrich am Beispiel mehrerer erfolgreicher Projekte in die Stromtransportwelt die Wichtigkeit von System Engineering als Hilfe bei die Beurteilung von dem Spagat zwischen Kosten, Umwelt, Betrieb und gesetzliche Vorgaben schaffen.

Markus Bolli leitete sein Referat mit dem Statement ein „Nichts ist schwächer als die Vermutung, dass ein Wort nur eine einzige, präzise Bedeutung hat und die alleinig gültige Wahrheit erzählt. Der Begriff „Hyper-Komplexität“ wurde am Beispiel der europaweiten Implementierung des Zugsicherungssystems ETCS sowie des RAMS-Prozesses nach DIN EN 50126 (V-Modell) erläutert. Seiner Meinung nach können die Themen Sicherheit, Kosten, Leistungsvermögen und Verkehrsqualität nur durch „System Engineering“ gelöst werden, ergänzt durch „Business Engineering“ und ein spezielles, neues „Personal Alignment Management“.

Manfred Kehr berichtete über die Personalzertifizierung „Eurail-Ing“ der UEEIV und die Zertifizierungsmöglichkeit zum „Stopfmaschinen-Bediener“. 

Hans-Peter Vetsch war jahrelang als Head of Operation & Safety bei der Fa. AlpTransit Gotthard AG beschäftigt und berichtet über die besonderen Herausforderungen beim Bau des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz. Er berichtete über die Komplexität der Integration der gesamten Tunnelausrüstung in den späteren Regelbetrieb und unterstrich die Wichtigkeit des Zusammenspiels von Betrieb, Instandhaltung und Notfallmanagement nach Betriebsaufnahme. Je mehr die Prozesse im Vorfeld automatisiert sind, umso effizienter wird die Betriebsabwicklung im Störungsfall ablaufen.

Sven-Olaf Schulze von der Gesellschaft für System Engineering e. v. Germany spannte als Abschlussredner den Bogen vom Weltall bis zur Eisenbahn. „Wir brauchen System-Ingenieure, weil wir Probleme lösen wollen!“

In einem abschließenden „Kamingespräche“ mit allen Vortragenden unter der Leitung von Daniel Wirth konnten alle Zuhörer noch individuelle Fragen stellen.

Frans Heijnen dankte den Vortragenden für ihre Referate und beschließt die Veranstaltung.

Die Präsentationen finden Sie hier:   folder 201703 System Engineering - Utrecht